Ostern mal anders – Wien und mehr
“Wien hat lauter Wahrzeichen und jeder Wiener fühlt sich als solches.”
Diese Aussage von Karl Kraus trifft den Nagel auf den Kopf. Egal ob auf dem Karls- oder auf dem Stefansplatz, in der S- oder in der U-Bahn: In Wien tummeln sich jede Menge seltsame, einzigartige Menschen. Stundenlang könnte man hier Straßenmusikanten, herausgeputzte alte Damen oder eine Gruppe Erwachsener in rosa Plüschhasen-Kostümen (nein, kein Scherz!) fotografieren. Schade eigentlich, dass Menschen nicht so mir nichts, dir nichts auf Speicherkarte gebannt werden können… Und jedes dieser lebendigen Wahrzeichen um ein Foto zu fragen, wird auf Dauer anstrengend.

Doch Wien hat auch sonst einiges zu bieten. Der Stephansdom ist sowohl von außen als auch von innen ein beeindruckendes Zeichen kirchlichen Reichtums und religiöser Macht. Steht man zwischen den hohen Säulen, kann man sich recht gut vorstellen wie einschüchternd Religion in früheren Zeiten auf die Menschen gewirkt haben mag.

Und auch Wiens zweites berühmtes Bauwerk, das Schloss Schönbrunn, ist alles andere als eine bescheidene Unterkunft. 1441 Zimmer hat Schönbrunn, das sind ganze 1439 mehr, als Stefan und ich zum Leben brauchen. Um eines sind wir allerdings neidisch – um den großen Tiergarten, in dem über 500 Tierarten eine wunderschöne Heimat gefunden haben. Nicht, dass man unbedingt in den Zoo gehen müsste, um tierische Action zu erleben. Immerhin hetzen die handzahmen Eichkätzchen überall im Schlosspark umher, kundschaften eifrig aus, welcher Besucher die besten Leckereien bietet. Wir können da leider nicht mithalten, gut, dass zwei Frauen neben uns die kleinen hektischen Nager mit Studentenfutter versorgen. Und auch die schwarz-grauen Nebelkrähen sind alles andere als menschenscheu. Sie fliegen von einem Ast zum nächsten, flanieren die Alleen entlang und genießen genau so wie die zahlreichen Spaziergänger erste wirklich frühlingshafte Tage.

Ich genieße diesen Wien-Besuch in vollen Zügen: Ein Bummel über den einzigartigen Naschmarkt (ein köstliches israelisches Frühstück mit viel Hummus und ofenfrischem Brot darf nicht fehlen. Kulinarische Vielfalt ist etwas, das in Österreich ohnehin viel zu kurz kommt.), ein ausgedehnter Einkaufs-Vormittag und das Beste: Musical im Ronacher.

Die Karten für den “Tanz der Vampire” habe ich von Stefan zu Weihnachten bekommen – an dieser Stelle an alle ratlosen potentiellen Schenker und Schenkerinnen: So ein Geschenk ist für jede, die im Entferntesten so tickt wie ich, absolut genial! Das Bühnenbild ist ein Wahnsinn und das Ensemble singt, tanzt und spielt auf höchstem Niveau.
Fazit: Ein sehr schönes Osterwochenende inklusive Schokokuchen am Sonntagmorgen auf der Autobahnraststätte. Den Perdoniger Umtrunk und das traditionelle Fest mit der Familie habe ich natürlich vermisst, der Osterhase war aber auch in Oberösterreich (am Sonntagmorgen ging’s von Wien nach Schwertberg) sehr sehr brav. Habe inzwischen zwar einen Schoko-Schock, aber 40 Tage ohne Süßspeisen müssen schließlich aufgeholt werden…

