Die seltsame Welt der Kulturjournalisten
Wer schon einmal in einem “vornehmen” Theater Kulturluft geschnuppert hat, wird wissen, wovon ich spreche: Ältere, gut situierte Herrschaften sitzen in Abendgarderobe in ihren Logen/auf ihren Sitzen/stehen mit einem Gläschen Prosecco an der Bar. Wichtig werden diese Menschen vor allem durch die Tatsache, dass jeder über jeden tuschelt, verstohlene Blicke auf besonders gewagte Abendkleider geworfen werden, sich die Highsociety des Opernabend vornehm zunickt bzw. sich zurückhaltend grüßt.
Bei Premieren verstärken sich all diese Phänomene. Nur wer wichtig/einflussreich/gebildet/intelligent/reich ist, erhält Einlass in die heiligen Hallen. Die gesalzenen Preise, die weniger wohlhabende Menschen über einen Premierenbesuch zweimal nachdenken lassen, tun ihr Übriges.
Dabei stellt man gerade im Theater fest: Schauspielen können nicht nur die Menschen auf der Bühne. Ältere Herren neigen dazu, in seligen Tiefschlaf zu fallen, sobald die Lichter ausgehen. Vornehme, von Kopf bis Fuß zurecht gemachte Damen bohren im Dunkeln ungeniert in ihren Nasenlöchern. Und andere bleiben nach der Pause einfach in der Bar stehen, obwohl die Aufführung mehr als nur akzeptabel ist.
Das Publikum würde Kulturjournalisten oft sicher interessantere Geschichten bieten als die x-te Neuinszenierung eines altbekannten Schauspiels oder einer abgedroschenen Operette. Vielleicht könnte ich aus dieser Idee gar eine neues journalistisches Ressort basteln?
Am Sonntag habe ich mich vorerst mit einer traditionellen Kritik von Mozarts “Hochzeit des Figaro” im Salzburger Landestheater zufrieden gegeben. Doch wer weiß? Die nächste Premiere kommt bestimmt…