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Kleider machen Leute

Von Ingrid, 2. September 2009 20:22

Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Wirkung man (und vor allem frau) mit Kleidung erzielen kann. Anzug, Kostüm, Bergschuhe, Flip Flops, Minirock, Holzfällerhemd, Bermudashorts – jedes dieser Kleidungsstücke ruft eine andere Reaktion bei unseren Mitmenschen hervor. Ein konkretes Beispiel aus dem Alltag: Zum Einkaufen muss ich eine dreispurige Straße überqueren, über die (wenigstens in praktischer Nähe) kein Gehsteig führt. Wenn ich in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen verzweifelt darauf warte, dass ein Autofahrer Erbarmen hat, warte ich häufig recht lange… Doch kaum bleibe ich mit Stöckelschuhen, Rock und elegantem Oberteil bewaffnet stehen, bedeuten mir Lichthupen, dass ich die Straße ruhig überqueren könne. Ein freundliches Lächeln des meist männlichen Lenkers gibt es oft noch dazu. Natürlich kann das von vielen Faktoren abhängen: Von der Laune, Eile, Gutmütigkeit, Vorsicht der Autofahrerinnen und Autofahrer. Ob es sich hier also um pure Zufälle handelt?

Tut es nicht. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Menschen hilfsbereiter auf gut gekleidete, ordentlich frisierte und zurechtgemachte Mitmenschen reagieren als auf Personen in schmutzigen, zerknitterten, unordentlichen Klamotten. Verschiedene Versuche haben gezeigt, dass Personen, die einen ungepflegten Eindruck machen, auf weitaus weniger Wohlwollen und Hilfe hoffen können.

Lohnt es sich schon allein deshalb, viel Geld in teure, elegante und geschmackvolle Kleidungsstücke zu investieren? Shopaholics werden jetzt wohl heftig nicken. Oder zählen sowieso nur die inneren Werte? Nach dem Motto: Besser das Herz sitzt am richtigen Fleck als der Krawattenknopf…

Mit in die Überlegungen einbezogen werden muss natürlich die jeweilige Situation: Bei einem Bewerbungsgespräch in einer Bank in zerrissenen Jeans zu erscheinen wirkt ebenso deplatziert, wie im kurzen Schwarzen zu einem Fußballspiel zu gehen. Und wer auf dem Weg zum Einkaufen keine sechsspurige Schnellstraße überqueren muss, verbringt wohl lieber zwei Minuten damit, auf eine Lücke im Berufsverkehr zu warten, als sich schon frühmorgens in ein knappes Kleid oder eben in einen Anzug zu zwängen…

Abschließend noch eine kurze Anekdote zur passenden Kleidung: Brian, ein amerikanischer Austauschstudent, zeigte mir in seinem Infoheft zum Auslands-Studienjahr in Salzburg unter anderem folgenden „guten Ratschlag“: „In Europa tragen die meisten Studentinnen und Studenten zu den Vorlesungen, beim abendlichen Fortgehen und im Alltag Jeans. Baggy- oder Jogginghosen wirken auf viele Europäerinnen und Europäer unmodern und schlampig. Kauft deshalb am besten noch vor eurem Abflug ein Paar trendige Jeans.“

Tja… ob der amerikanische Austauschprogramm-Betreuer wohl zufällig auch in der Jeanslobby aktiv ist? ;-)

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