Sommer schnuppern
Durch hellbraunen Sandstrand stapfen, Vögel beim Zwitschern beobachten und einer kleine Eidechse zuschauen, die sich neben uns in der Sonne aalt – ein wunderschönes Wochenende liegt hinter uns. Beinahe sommerlich-ferienhaft hat es sich angefühlt, am bayrischen Chiemsee spazieren zu gehen. Schilf, Sand und Muscheln erinnern stark an Sommer, Sonne und Süden.

Der kleine Überseer Hafen samt Bootswerft und Strandkneipe schaut eigentlich genau so aus, wie ich mir Ost- oder Nordsee-Orte vorstelle. Gemütlich sitzen ältere Männer zusammen, trinken Bier und beobachten die jüngeren Generationen beim Netze und Boote flicken, Planken streichen und Deck schrubben. Laut kreischen die Möwen, bevor sie sich wie Kamikaze-Flieger ins Meer stürzen, um dann doch wieder wohlbehalten in den Himmel zu fliegen. Im Strandcafé liegen auf Liegestühlen Liebespaare, die genüsslich einen Latte Macchiato oder einen Prosecco schlürfen.

Wir verabschieden uns nach einem gemütlichen Häferlkaffee vom Trubel und machen uns auf den Weg, das Naturschutzgebiet rund um die Mündung der Tiroler Ache in den See zu erkunden. Hier wimmelt es nur so von Tieren, die sonst in unseren Breiten gar nicht so oft gesichtet werden. Dutzende Kleiber laufen an den dicken Stämmen jahrhunderte-alter Bäume auf und ab. Es ist recht lustig, den Tieren beim Nach-Unten-Laufen zuzuschauen. Die vielen Schmetterlinge sind bunt und wunderschön anzuschauen, und erinnern mich wieder einmal daran, warum sie meine Lieblingstiere sind. In der klaren warmen Luft von einer Blüte zur nächsten flattern, unbeschwert und fröhlich mit anderen Schmetterlingen in der Luft tanzen… Was für ein Leben!

Eine wunderschön gemusterte Zauneidechse sonnt sich mitten auf dem Weg und reckt uns neugierig ihr grünes Köpfchen entgegen. Im See plantschen währenddessen zwei Haubentaucher. Unglaublich, wie lange sie es schaffen, unter Wasser zu bleiben. Und das spannendste: Wir beobachten zwei ausgewachsene Ringelnattern beim Liebe-Machen. Mir hat die Begegnung mit einer echten, meterlangen Python im australischen Dschungel ganz eindeutig geholfen, meine Schlangenphobie zu bekämpfen. Interessiert beobachte ich die zwei Ringelnattern, bis sie sich irgendwann gestört fühlen und die größere die Flucht ergreift (und die ist ein ganz schöner Brocken, der sich überraschend schnell bewegt). Ganz geheuer sind mir die Viecher doch nicht, wenn sie sich so schnell und lautlos bewegen.

Ein langer Tag am Chiemsee eignet sich jedenfalls ganz wunderbar, abzuschalten und Kraft zu tanken. Es wird bestimmt nicht bei diesem einen Besuch bleiben!
