Hoch hinaus
Anne hat auf ihrem Blog kürzlich darüber geschrieben, dass das Meer für sie wie eine Droge sei. Ein Blick auf das Meer gebe ihr immer wieder Ruhe, dort könne sie Kraft tanken für den Alltag und entspannen. Für mich sind die Berge diese Quelle, aus der ich immer wieder schöpfe. An einem schönen Tag zieht es mich förmlich nach oben. Wenn ich irgendwo am See liege oder einfach durch die Stadt schlendere, dann überkommt mich schnell eine innere Unruhe. Und auch heute war wieder so ein Tag: Wir haben das herrliche Wetter für eine Bergtour in den Chiemgauer Alpen genutzt.
Unser Ziel war das Sonntagshorn, der höchste Gipfel der Chiemgauer Alpen und – so sagt man – einer der schönsten Ausblicksberge der Gegend. Rund eine dreiviertel Stunde geht es gemütlich über Almen bergauf. Wilde Orchideen, Bachminze und Margeriten säumen den Weg. Der Almboden ist leicht feucht, es scheint geregnet zu haben. Seltsamerweise hängt genau über “unserem” Berg und dem Anstieg auf den Gipfel eine dunkle Wolke. Auf den umliegenden Bergrücken ist es sonnig, nur wir steigen im Schatten die Almen hinauf. Schnell gewinnen wir an Höhe, und nachdem ich Stefan etwas aufziehe, weil er keuchend hinter mir geht, überholt er mich wortlos. Jetzt gibt er das Tempo vor – und zwar ein nicht allzu langsames. Ich bin richtig froh, dass die Sonne nicht auf den Steig und damit auf unsere Köpfe brennt. Und so schwitze ich durch die Latschenkiefern bergaufwärts und frage mich, ob Stefan die Disziplin “Berglauf” neu entdeckt hat. Am Gipfel, der meiner Meinung nach eigentlich das Sonntagshorn sein hätte sollen, gehen wir vorbei. Und auch die umliegenden Berge liegen bald unter uns.
Als ich mich schon frage, wie lange ich dieses Tempo eigentlich noch durchhalten kann, stehen wir plötzlich auf einem Grat. Drei Minuten später gibt’s beim Gipfelkreuz ein Gipfelbusserl. Und dann kommt auch noch die Sonne heraus und wärmt uns da oben in 1961 Metern Meereshöhe. 1000 Höhenmeter und 12 Kilometer, die im Wanderführer eigentlich mit zweieinhalb Stunden und auf dem Wegweiser am Ausgangspunkt sogar mit 3 Stunden veranschlagt sind, haben wir in 1:55 Stunden geschafft. Und auch den Rückweg legen wir ziemlich zügig zurück. Immerhin warten beim Gasthof im Tal frische Eierschwammerl (oder auf gut deutsch: Pfifferlinge) mit Semmelknödel auf uns. Lecker und genau der richtige Abschluss eines wunderschönen Bergtages.


