Hoch hinaus

Von Ingrid, 27. Juni 2010 21:48

Anne hat auf ihrem Blog kürzlich darüber geschrieben, dass das Meer für sie wie eine Droge sei. Ein Blick auf das Meer gebe ihr immer wieder Ruhe, dort könne sie Kraft tanken für den Alltag und entspannen. Für mich sind die Berge diese Quelle, aus der ich immer wieder schöpfe. An einem schönen Tag zieht es mich förmlich nach oben. Wenn ich irgendwo am See liege oder einfach durch die Stadt schlendere, dann überkommt mich schnell eine innere Unruhe. Und auch heute war wieder so ein Tag: Wir haben das herrliche Wetter für eine Bergtour in den Chiemgauer Alpen genutzt.

Unser Ziel war das Sonntagshorn, der höchste Gipfel der Chiemgauer Alpen und – so sagt man – einer der schönsten Ausblicksberge der Gegend. Rund eine dreiviertel Stunde geht es gemütlich über Almen bergauf. Wilde Orchideen, Bachminze und Margeriten säumen den Weg. Der Almboden ist leicht feucht, es scheint geregnet zu haben. Seltsamerweise hängt genau über “unserem” Berg und dem Anstieg auf den Gipfel eine dunkle Wolke. Auf den umliegenden Bergrücken ist es sonnig, nur wir steigen im Schatten die Almen hinauf. Schnell gewinnen wir an Höhe, und nachdem ich Stefan etwas aufziehe, weil er keuchend hinter mir geht, überholt er mich wortlos. Jetzt gibt er das Tempo vor – und zwar ein nicht allzu langsames. Ich bin richtig froh, dass die Sonne nicht auf den Steig und damit auf unsere Köpfe brennt. Und so schwitze ich durch die Latschenkiefern bergaufwärts und frage mich, ob Stefan die Disziplin “Berglauf” neu entdeckt hat. Am Gipfel, der meiner Meinung nach eigentlich das Sonntagshorn sein hätte sollen, gehen wir vorbei. Und auch die umliegenden Berge liegen bald unter uns.

Als ich mich schon frage, wie lange ich dieses Tempo eigentlich noch durchhalten kann, stehen wir plötzlich auf einem Grat. Drei Minuten später gibt’s beim Gipfelkreuz ein Gipfelbusserl. Und dann kommt auch noch die Sonne heraus und wärmt uns da oben in 1961 Metern Meereshöhe. 1000 Höhenmeter und 12 Kilometer, die im Wanderführer eigentlich mit zweieinhalb Stunden und auf dem Wegweiser am Ausgangspunkt sogar mit 3 Stunden veranschlagt sind, haben wir in 1:55 Stunden geschafft. Und auch den Rückweg legen wir ziemlich zügig zurück. Immerhin warten beim Gasthof im Tal frische Eierschwammerl (oder auf gut deutsch: Pfifferlinge) mit Semmelknödel auf uns. Lecker und genau der richtige Abschluss eines wunderschönen Bergtages.

ingrid

Stefan

Berg

Sehnsucht nach der Ferne…

Von Ingrid, 23. Juni 2010 23:30

Heute ist der Sommer endlich wieder zurückgekehrt nach Österreich… und die warmen Tage wecken natürlich Erinnerungen. An endlose, schnurgerade Schotterpisten. An kristallklares Wasser und schneeweißen Strand. An faulenzende Kängurus, schimpfende Lorikeets und herumstolzierende Ibisse. An das Opernhaus im Abendlicht, riesige Schlemmerteller auf dem Fischmarkt und an einen verregneten Australia Day. Und genau hier lässt sich die Verbindung herstellen – nämlich die zu Anne und Chris. All jenen, die bereits unseren Australienblog verfolgt haben, dämmert es jetzt vielleicht. Anne und Chris sind jenes deutsche Pärchen, das vor einigen Jahren nach Sydney ausgewandert ist. Die Zwei haben uns damals “ihre” Stadt gezeigt, inklusive Bibliothek, Schleichwegen und köstlicher heißer Schokolade.

Lange Rede, kurzer Sinn: Immer wenn mich das Fernweh überkommt (und das passiert mehr als regelmäßig), schaue ich auf Annes Blog vorbei. Auf mein-leben-in-Australien.com erzählt sie von ihrem ganz persönlichen Alltag in Sydney, australischen Eigenheiten oder auch einfach den Dingen, die in Down Under gerade Tagesgespräch sind. Der Blog gibt nicht nur äußerlich etwas her (Anne hat ihren Webauftritt selbst programmiert!), auch die Inhalte sind spannend. Und wenn’s noch Fotos dazu gibt, ist mein Tag gerettet ;-)

Also, liebe Anne: Warum blinzelt mir jetzt schon seit drei (!!!) Tagen der gleiche Eintrag entgegen? Zwar träume ich von einem sportlichen Tag in Bondi, aber mein Fernweh verlangt nach mehr, nach Neuem, nach Aufregendem von deinem-leben-in-Australien.com!

…und um der Nostalgie auch noch bildlich Ausdruck zu verleihen:

australia day

Übrigens, Anne: Ein Pickerl ist ein Sticker, ein Aufkleber! Warst aber schon nah dran! ;-)

Pickerl-Mania

Von Ingrid, 20. Juni 2010 18:05

Natürlich versuche ich in meinem Blog so abwechslungsreich wie möglich zu sein. Natürlich versuche ich, Geschichten und Erlebnisse von allen Seiten zu beleuchten. Und natürlich versuche ich, nicht zweimal über das gleiche Thema zu schreiben – bzw. mich darüber aufzuregen.

Daher vorweg: Dieser Eintrag war nicht geplant. Habe eine einstündige Regenpause (Sommer! Wo bist du!) genutzt, um ein wenig an die frische Luft zu kommen. Aus dem geplanten zügigen Spaziergang wurde dann doch ein Schlendern – nämlich von einem Laternenpfosten zum anderen. Meine Aufmerksamkeit erregt haben wieder einmal diese rot-weiß-gestreiften Pickerl, die von “Einem Tirol” und der “Freiheit Süd-Tirols” sprechen.

Wie weit muss man sich eigentlich vom Brenner entfernen, um dieser Hetzerei einer rechts-nationalistischen Gruppierung zu entkommen? Ist es denn normal, dass in Salzburg an jedem fünften Laternenmasten (das ist eine Schätzung, aber ganz bestimmt keine Übertreibung) Werbematerial für die Wiedervereinigung Tirols klebt? Wer fühlt sich derart eingeschränkt und seiner Rechte beraubt, dass er seine freie Zeit damit verbringt, der Öffentlichkeit rot-weiß-rote Pickerl aufzudrängen?

Um das noch einmal klar zu stellen: Die europäische Idee einer Gemeinschaft, in der Völker friedlich zusammenleben, finde ich ganz wunderbar. Ein solcher Zusammenschluss hat nichts zu tun mit dem Verlust der eigenen Identität. Im Gegenteil: Aus vielen Eigenheiten wird eine bunte Mischung, die das Zusammenleben bereichert. Traditionen und Kultur zu bewahren hat nichts mit Rechtsextremismus zu tun. Wer käme auf die Idee, ein solches Gedankengut bedrohten Volksgruppen in Afrika, Südamerika und Asien zu unterstellen? Die Rettung des Schamanentums, die Erhaltung alter Kunsthandwerke finden die Zustimmung der aufgeklärten Welt. Genau so sehe ich auch das “Goaslschnelln” (lautes Knallen mit einer Peitsche), den Volkstanz, Volkslieder oder Trachten. All das ist erhaltenswert.

Solche Traditionen sollen in den Schutz einer Gemeinschaft gestellt werden. Eine Gemeinschaft, die die Identität eines jeden Menschen bewahrt und schützt. Die gleichzeitig aber keinen Raum lässt für engstirnigen Nationalismus, rassistische, sexistische, homophobe Bewegungen. Das ist ein Europa, wie ich es mir erträume. Wo jeder vom Nachbarn lernt und die Vielfalt als das begreift, was sie ist: Eine Chance.

Worauf man bei einem Laternenmasten-Begutachtungs-Spaziergang so stößt, seht ihr unten. Auffällig ist, dass vor allem links- und rechtsextreme Gruppierungen die Masten für ihr Marketing nutzen. Leider gibt es sehr wenige humorvolle Pickerl, die auf Missstände in der Gesellschaft hinweisen. Noch weniger gibt es die, die ohne tiefergehende Kritik einfach nur zum Schmunzeln anregen sollen. Humor an Laternenmasten kommt meist zu kurz. Schade eigentlich.

Süd-Tirol

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Kunterbuntes Allerlei

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