Wie versprochen: “Das Wochenende der Ingrid K. in Südtirol”

Von Ingrid, 29. Mai 2010 14:11

Warm hüllen die Sonnenstrahlen mich ein, das lange Gras kitzelt meine Beine. Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte, weiße Wattewolken ziehen über einen wirklich knallblauen Himmel. Es riecht nach Wald, nach den frischen Trieben an den Lärchen. Obwohl Stefan und mein Dad mit dem alten Traktor hin und her fahren und Stämme und Äste von einem Holzstoß auf den anderen wuchten, hab ich das Gefühl, dass es ganz ruhig und friedlich ist. Wieder einmal wird mir bewusst, wieviele Vorteile ein Leben auf dem Land hat.

Traktor

Gut, wenn ich am Samstagmorgen noch einen Liter Milch brauche, schnell eine Zahnpaste besorgen muss oder auch einfach nach dem Fortgehen zu Fuß heimgehen will, dann bringe ich dem Stadtleben meine tiefste Wertschätzung entgegen. Aber auf einer Bergwiese zu liegen, ganz abzuschalten, abgeschnitten von Internet- oder Handyverbindung – das hat doch was.

schmetterlingspaarung

Und so genieße ich die Tage in Südtirol in vollen Zügen: Abendliches Pizza-Essen mit der Familie, mit Oma einen Eisbecher auf der sonnigen Terasse verdrücken, wandern, entspannen und junge Kätzchen streicheln. Im wunderschönen Garten meiner Eltern auf einem Liegestuhl liegen, mit meinem Bruder “coole Fotos” schießen, an Blumen riechen und mit einem guten Glasl Weißen den Vormittag abschließen und das Mittagessen beginnen.

coole pix

Es ist gar nicht so schlimm, dass der Schlaf eher zu kurz kommt an diesen vier Urlaubstagen (bzw. in den Nächten). Denn wie oft hat man schließlich die Chance, einen faszinierenden Sonnenaufgang über dem Schlern zu fotografieren oder um Mitternacht mit einem alten Freund auf einem original Südtiroler Feuerwehrfest ein “Giggerle” zu verdrücken (falls es LeserInnen gibt, die noch nicht mit der Südtiroler “Hühnerfamilie” vertraut sind, hier bitte: Ei = Goggele / Küken = Pisele, Pullele / Henne = Henn / Hahn = Gigger / toter Hahn bzw. Brathendl = Giggerle)?

Keine Ahnung, ob das Heimatverbundenheit oder Urlaubsflair ist, das aus mir spricht, aber: Südtirol (und vor allem das Überetsch/Unterland, also der südliche Teil, in dem ich aufgewachsen bin) gehört ganz gewiss zu den schönsten Flecken auf dieser Erde. Vor allem, wenn die Sonne scheint und Temperaturen an der 30°C-Marke das Herz wärmen.

löwenzahn

Das Leben und Ich…

Von Ingrid, 21. Mai 2010 12:48

Was gibt’s Neues? Eigentlich nicht genug, um darüber einen Blogeintrag zu schreiben.

Trotzdem – nachdem die letzten Artikel eher sehr bildlastig waren, hier ein paar Gedanken von meiner Seite. Es ist nicht ganz so leicht, Sonne im Herzen zu tragen, wenn’s draußen regnet und stürmt. Die morgendliche Fahrt zur Arbeit ist ein Hochleistungsakt zwischen Nebellicht aktivieren / deaktivieren, Scheibenwischer auf langsam / schnell / sehr schnell schalten, einen Radiosender finden, der trotz heftigem Regen störungsfrei sendet, und die Heizung auf 22 – 26° drehen.

Im Büro versuche ich, meinen Vitamin D-Bedarf mit künstlichem Licht zu stillen – ein bisschen Sonne wäre hier eindeutig die bessere Medizin. Und auch auf’s Gemüt wirken sich die grau-grauer-am grausigsten Maitage aus:  “November”melancholie statt Maifreuden, heiße Schokolade im Kaffeehaus statt kühler Radler am Salzachufer. Die rettende Idee: Warum nicht das verlängerte Pfingstwochenende in Südtirol verbringen?

Deshalb geht’s heute noch ab in den Süden. Und um das klar zu stellen: Auf dem Brenner kann es meinetwegen stürmen und schneien, aber im Überetsch erwarte ich Sonnenschein, knallblauen Himmel und meinetwegen auch die ersten Zanzare (für deutsche Leser ohne südtirolerisch-italienischem Hintergrund: Moskitos, Mücken, Gelsen. Übrigens ein Wort, das meines Erachtens nach in jede Sprache aufgenommen gehört. “Zzzzanzzzzara”, das klingt doch förmlich nach diesen Insekten, die das Einschlafen unmöglich machen, wenn sie wie kleine Helikopter im Schlafzimmer herumschwirren).

Um nochmal zurück auf’s Wetter zu kommen: Bei all dem Gejammere über die aktuelle Kalt- und Störungsfront wurde beim wöchentlichen Chor-Stammtisch (eine gemütliche Runde, die nach der gemeinsamen Chorprobe auf einen Zweigelt / Radler / Tee / naturtrüben Apfelsaft geht und enthusiastisch dies und jenes diskutiert) die These aufgestellt, der Vulkan sei schuld. Immerhin sei es in den vergangenen Jahrtausenden nach solchen Ereignissen immer wieder zu klimatischen Veränderungen gekommen, betonte unsere Geografin. Die sog. “Zwischen-Eiszeit” von 1400-1900 sei ein gutes Beispiel dafür (solche Dinge lernt man eben auch im Kaffeehaus). Mein Argument, dass der Vulkan niemals so viel Zerstörung angerichtet habe wie die Flugzeuge das hätten, wären sie alle geflogen, wird vom Kellner mit einem Lächeln quittiert. Als er dann später den Zweigelt bringt, meint er verlegen: “Entschuldigen Sie, darf ich fragen, woher Sie kommen. Sie haben so einen lustigen Akzent.” Lautes Gelächter – vor allem deshalb, weil der Kellner ganz eindeutig “Österreicher mit Migrationshintergrund” ist und tiefstes Türken-Deutsch spricht. Jedenfalls: Auch so wird man daran erinnert, dass man sich eigentlich im “Ausland” befindet…

Das war’s auch wieder für heute – hoffentlich folgt bald ein (mit vielen bunten Fotos, auf denen blauer Himmel, Sonne, Seen, Blumen zu sehen sind, bebilderter) Bericht über meinen “Heimat-Urlaub”!

Red Bull Art of Motion, Vienna

Von Ingrid, 10. Mai 2010 23:20

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