Standing Ovations für Marilyn

Von Ingrid, 19. Oktober 2009 21:41
cs_16_10_2009_6284“Ich glaube, die Ärzte könnten hier etwas lernen – aber sie interessieren sich nur für das, was in ihren Büchern steht. Vielleicht könnten sie von einem Menschen, der am Leben leidet, mehr erfahren – na ja, die Menschen wollen zum Mond fliegen, scheinen aber am Schlagen des menschlichen Herzens nicht interessiert zu sein.”
- Marilyn Monroe -

Sexsymbol, Stilikone und eine der ganz großen Diven Hollywoods: Marilyn Monroe hat das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt. Hinter der Fassade der alles überstrahlenden femme fatale aber steckte eine zutiefst zerrissene Frau. Peter Breuer hat mit seinem Ballett “Marilyn” (Foto: Christian Schneider) einer Kultfigur ein Denkmal gesetzt. Ohne Kitsch, ohne falsche Anbiederung erzählt er in einer fulminanten und sehr rockigen Tanzvorstellung auf höchstem Niveau die Geschichte einer Frau, die bis zum Ende mit und gegen sich selbst kämpfte. Meine ausführliche Kritik unter www.dorfzeitung.com

Von “Keschtn”, “Schlutzern” und der “Torggl”

Von Ingrid, 13. Oktober 2009 07:37

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Törggelen: Ein Südtiroler Brauch, der auch heute noch sehr lebendig ist und an Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft erinnert. In alten Zeiten zogen Helfer und Verwandte von Bauernhof zu Bauernhof, um bei der Weinernte, dem “Wimmen” zu helfen. Als Lohn für die anstrengende Arbeit in den Reben bereitete die Bäuerin ein Abendessen mit typischen Südtiroler Bauernspezialitäten zu. Der Bauer kredenzte den Helferinnen und Helfern dazu Wein; unter anderem auch den Traubensaft, der gerade erst durch die “Torggl”, die Weinpresse, gegangen war. Auf die “Torggl” ist auch das Wort Törggelen zurück zu führen, das heute weit über den Südtiroler Sprachraum hinaus bekannt ist. Jeden Herbst ziehen nicht nur Südtirolerinnen und Südtiroler, sondern auch ganze Busladungen Touristen von einem Törggelelokal zum nächsten. Die besten Buschenschänke findet man naturgemäß in jenen Gegenden, in denen auch Wein angebaut wird. Geheimtipps gibt es allerdings nur mehr wenige. Viele Lokale fertigen die Gäste schnell und lieblos ab. Dabei geht verloren, was beim Törggelen wirklich wesentlich ist: die Gemütlichkeit.

Und wie wird das Törggelen zelebriert? Die einzig richtige Art ist (wenigstens nach Ansicht der Autorin) die im Folgenden beschriebene:
Eine Wanderung durch bunt gefärbte Kastanienhaine und die frische klare Herbstluft ist wohl das beste Mittel, um den Appetit anzuregen. Und dann fängt sie an, die Völlerei, von der man Winter, Frühling und Sommer geträumt hat:
Eine gehaltvolle Vorspeise – Gerstsuppe, Spinat- und/oder Käseknödel, hausgemachte Schlutzkrapfen – ist erst der Auftakt. Zwar scheint der Magen nach dem Genuss dieser typischen Leckereien schon gefüllt, (fast) ohne Verschnaufpause geht es dennoch weiter zum nächsten Gang.
Auf die “Schlachtplatte” sind Ripperln, Surfleisch, Hauswürste, Blutwürste und nicht zu vergessen ganze Sauerkrautberge gehäuft. Typische Beilagen sind Speckknödel und Röstkartoffeln.
Wer jetzt noch nicht genug hat, dem ist nicht mehr zu helfen – außer mit selbstgemachten Südtiroler Krapfen. Die hauchdünnen Teigblätter mit gezackten Rändern sind je nach geografischem Bezirk unterschiedlich gefüllt: Am beliebtesten sind Krapfen mit “Kloatzen” (ein Gemisch aus getrockneten, geriebenen Birnen und Marillenmarmelade) oder Mohn (vermischt mit selbstgemachter Marillenmarmelade).
Hinunter gespült werden diese Köstlichkeiten mit süffigem Eigenbauwein. Dieser kann zwar nur höchst selten mit den wirklich guten Weinen mithalten, für die Südtirol berühmt ist. Dafür hat der Eigenbau einen niedrigeren Alkoholgehalt, ist bekömmlich und leicht und schmeckt mit jedem Schluck besser.

Sind Krapfen und Wein verputzt, nähert sich der Abend dem Höhepunkt: Die “Keschtn” werden in einer “Keschtnriggl” verzehrfertig gemacht. Heißt im Klartext: Edelkastanien werden mit einem Messer leicht eingeritzt und dann in einer großen, durchlöcherten Pfanne über dem offenen Feuer gebraten. Zu dieser Köstlichkeit gibts neben Butter auch den “Sußer” oder “Siaßn”. Dieser frisch gepresste Wein ist je nach Gärungsstufe entweder ein köstlicher Traubensaft, oder ein himmlischer (wenn auch sehr verdauungsanregender) süßer Wein mit wenig Alkohol.

Doch Törggelen ist mehr als nur Essen und Trinken. Eine lustige Gesellschaft, das Singen in der Gaststube, ausgedehnte Herbstwanderungen und hitzige Diskussionen gehören ebenso zu diesem Brauch wie die Gespräche mit Bauern und Bäurinnen oder dem bei allen Bevölkerungsschichten beliebten “Spiaglen”. Dabei streifen Wanderer durch die Weinberge und pflücken jene Trauben, die den “Wimmerinnen” und “Wimmern” (WeinleserInnen) entweder zu klein oder zu unreif waren. Die Wanderer pflücken sich also noch einmal quer durch den Weinberg und “spiegeln” dabei die Erntearbeit – daher auch der Name “Spiaglen”. Bauern, die sich beliebt machen wollen, lassen am besten ein paar ordentliche “Tschipplen” (Rispen) hängen – der Bauer ist auf die wenigen Trauben nicht angewiesen und die “Spiagler” freuts.

Törggelen ist ein Brauch für Leib und Seele. Wer das Glück hat, einen Buschenschank oder ein Törggelelokal abseits kommerzialisierter Wege zu kennen, kann bei diesem herbstlichen Vergnügen wahrlich Kraft für den nahenden Winter tanken!

Pack das Leben beim Schopf!

Von Ingrid, 3. Oktober 2009 22:55

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Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage veröffentliche ich an dieser Stelle weise Worte eines anderen Menschen. Auch diesmal handeln sie vom Leben des Augenblicks, vom Auskosten jeder Minute. Nur um eines klar zu stellen – Ich möchte mein Leben nicht von vorne beginnen und alles anders machen. Im Gegenteil: Das, was ich bisher erreicht habe, macht mich glücklich und stolz. Trotzdem finde ich es wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass Leben mehr sein kann. Mehr als sinnloses Hetzen, mehr als Langeweile, mehr als die Suche nach dem Sinn, mehr als “Morgen-beginne-ich-mit-Leben”. Und warum sollte ich solche Gedanken in eigene Worte fassen, wenn schon ein anderer vor mir sie äußerst treffend beschrieben hat?

Könnte ich mein Leben noch mal von vorn beginnen,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde albern sein, würde ganz locker werden,
nur noch ganz wenige Dinge ernst nehmen.
Ich würde entschieden verrückter sein und weniger korrekt.
Ich würde mehr Gelegenheiten beim Schopf ergreifen und öfters auf Reisen gehen.
Ich würde mehr Berge ersteigen, mehr Flüsse durchschwimmen
und mehr Sonnenaufgänge auf mich wirken lassen.
Ich würde mehr echte Probleme und weniger eingebildete Nöte haben.

Nun, ich hatte meine verrückten Augenblicke,
aber wenn ich nochmal von vorn anfangen könnte,
würde ich mehr verrückte Augenblicke haben.
Genau gesagt: einen Augenblick nach dem andern
und keine Pläne zehn Jahre voraus.

Jorge Luis Borges

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