Offener Brief an die Klosterbrüder des Kapuzinerklosters in Salzburg

Von Ingrid, 31. August 2009 09:29

Der folgende Brief an die Kapuzinerbrüder blieb bis heute unbeantwortet. Schade eigentlich… hätte mich über eine konstruktive Diskussion mit den Patern sehr gefreut.

Liebe Klosterbrüder des Salzburger Kapuzinerklosters!

2002 kam ich als Studentin aus einem kleinen Südtiroler Dorf nach Salzburg. Obwohl ich mich in der Mozartstadt von Anfang an wohl fühlte, war die erste Zeit doch nicht leicht. Ich war unzufrieden mit der Wahl meiner Studienrichtung und wusste nicht, was ich in und mit meinem Leben wirklich machen wollte. Die unzähligen Stunden, in denen ich durch die Wälder auf dem Kapuzinerberg gestreift bin, haben mir damals viel Kraft gegeben. Weil Glaube und die Pfarrgemeinschaft in meinem Heimatort Perdonig eine sehr wichtige Rolle spielen, wünschte ich mir auch hier in Salzburg eine Kirche, in der ich mich wohl fühle. In Ihrem Gotteshaus habe ich schließlich gefunden, wonach ich so lange gesucht hatte.

Die Predigten berührten mich, weil sie immer genau das Thema behandelten, das mich gerade beschäftigte. Mir kam es manchmal so vor, als wäre mein Leben ein Film, in dem Gott durch den Priester direkt mit der Hauptdarstellerin spricht. Einige Beispiele: Ich war verunsichert, ob ich mein Studienfach wechseln sollte – der Priester sprach darüber, dass man berufliche Entscheidungen immer überdenken und neue Wege einschlagen könne. Ich fühlte mich einsam, der Pfarrer fand aufmunternde Worte über die Tatsache, dass man stets eine Heimat in den Herzen der Menschen habe, die einen lieben. Ich hatte Streit mit Freunden, die Predigt handelte von Freundschaft, Streit und Vergebung. Diese Zufälle waren beinahe schon unheimlich!

Nach einigen glücklichen Jahren stehe ich derzeit wieder vor einem Wendepunkt: Ich habe das Studium abgeschlossen und bin auf der (schwierigen) Suche nach einem erfüllenden, interessanten, sinnvollen Job hier in Salzburg.

Nach langer Zeit besuchte ich gestern wieder eine Messe auf dem Kapuzinerberg – und war neugierig, ob das „Wunder“ weiterginge. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Gottesdienst bereits vor der Kommunion verlassen. Ich erwarte nicht, dass in einem Kapuzinerkloster eine kirchliche Revolution beginnt. Mir ist bewusst, dass Ordensbrüder einer Tradition verhaftet sind, die in der heutigen schnelllebigen Zeit oft altmodisch und reaktionär wirkt. Dass ein so junger Pfarrer wie der gestrige Zelebrierende aber in der Predigt die Frau als „Schmuck des Mannes“ beschreibt, kann ich nicht verstehen. Nach Aussagen des Pfarrers, dessen Name ich leider nicht kenne, solle der Mann seine Fähigkeiten und Talente sinnvoll einbringen. Die Frau habe die Aufgabe, ihm zur Seite zu stehen, wörtlich: „schön zu sein“ und ihm „Antrieb zu geben“.

Ich weiß, dass die Frau von der Kirche lange Zeit als “minderwertig” gesehen wurde und immer noch wird. Die Stellung der Frau hängt demnach vor allem von ihrer Funktion in der Familie ab. Doch dass die einzige Funktion der Frau darin liegt, dem Mann zu gefallen (oder sich als Nonne betend hinter Klostermauern zu verschanzen), ist heute zum Glück auch in weiten Teilen der Kirche und unter Theologen und Theologinnen umstritten.

Und so wünsche ich all diesen Frauen Glück, die dem „Idealbild“ dieses Pfarrers nicht entsprechen: Den Nonnen, die im Dienste der Menschen weltweit für Gerechtigkeit und Menschenwürde kämpfen. Denen, die in männerdominierten Branchen ihre „Frau“ stehen. Den hässlichen Frauen, die ihre Fähigkeiten sinnvoll einsetzen. Denen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, und keinem Mann gefallen müssen. Und vor allen denen, die einen Mann lieben, der sich eine gleichberechtigte Partnerin wünscht und ihr gerne Antrieb ist, wenn sie ihre Fähigkeiten und Talente auch außerhalb der Familie sinnvoll einbringt.

Reise nach Timbuktu

Von Ingrid, 26. August 2009 12:03

“Wenn du ein paar Mal solche Reisen gemacht hast, weißt du, dass du vielleicht deinen eigenen Tod planst. Aber so siehst du es nicht. Du siehst es als Chance. Eine Chance, auf dem schnell fliegenden Pfeil deiner eigenen Sehnsüchte zu reisen.”

Vier Männer, die sich auf die Suche nach der Quelle des Niger in den Bergen Guineas machen. Die dann mit dem Kajak zwischen Flusspferden und Krokodilen flussabwärts fahren und sich durch das Herz Afrikas treiben lassen. Mark Jenkins Reisebericht “Reise nach Timbuktu” ist Wasser auf den Mühlen von Menschen, die es in die Ferne zieht. Anschaulich, spannend und mit vielen Verweisen auf die Geschichte der Erforschung Afrikas durch die Europäer erzählt Jenkins vom Abenteuer auf dem Niger.

Süchtig sein nach Reisen – während der Lektüre habe ich immer wieder nach einer Erklärung für dieses Phänomen gesucht. Und was ist Reisen überhaupt? Die Welt scheint zu schrumpfen: Wer bereit ist, eine hübsche Summe für Organisation und Reiseplanung zu zahlen, kann morgen überall auf der Erde sein. Was früher Rimini und die Nordsee war, ist heute Ägypten, Thailand, die Dominikanische Republik. Aber kann, wer seine Tage im Club in der Türkei verbringt, behaupten, die Türkei gesehen zu haben? Wo liegt der Unterschied zwischen Reise und Urlaub?

Vor allem beschäftigt mich die Frage: Was bringt Menschen dazu, sich auf ein Abenteuer einzulassen, in die Fremde zu gehen, die Strapazen einer Reise auf sich zu nehmen? Ist es angeborene Neugier, eine angeborene Sehnsucht nach der Ferne? Oder kann man Reiselust lernen? Sich sozusagen mit dem Reisevirus infizieren? Wird die Freude am Reisen von den Eltern an die Kinder weitergegeben?

Immer mehr junge Menschen machen sich heute auf die Suche nach der Herausforderung, nach dem Abenteuer und sicher auch nach sich selbst. In den Hochebenen Südamerikas, in den lebensfeindlichen Gebieten Afrikas, im Chaos südostasiatischer Großstäde tummeln sich die Backpacker in Scharen. Ist Reisen heute ein Statussymbol oder eine Station, die im Lebenslauf gut ausschaut?

Unter der Dusche? Wasser marsch!

Von Ingrid, 24. August 2009 15:55
  • 109.500 Espressi (wenn der Tasseninhalt wie in Italien lächerliche 40 Milliliter beträgt)
  • 36 Vollbäder (und einmal richtig ausgiebig Gesicht, Hals, Ohren und Hände waschen)
  • ein ganzes Jahr Trinkwasser für einen Menschen (vorausgesetzt, der nimmt soviel Flüssigkeit zu sich wie der Durchschnitt: nämlich 2,5 Liter täglich)

…soviel Wasser kann man einsparen, wenn man den Aufruf der brasilianischen Umweltorganisation “SOS Mata Atlantica” befolgt und einmal täglich in die Dusche statt ins Klo pinkelt!

This video was embedded using the YouTuber plugin by Roy Tanck. Adobe Flash Player is required to view the video.

Zur Erklärung noch einmal etwas ausführlicher:

Wer unter der Dusche uriniert, verzichtet einmal täglich darauf, die Klospülung zu betätigen. Bis zu 12 Liter werden dadurch eingespart, nicht schlecht wenn man bedenkt, dass es sich beim Spülwasser in den meisten Haushalten um ganz gewöhnliches Trinkwasser handelt. Über das Jahr gerechnet verzichten “DuschpinklerInnen” so auf 4380 überflüssige Liter Wasser – oder eben auf 109.500 Espressi, 36 Vollbäder und ein Jahr Trinkwasser für einen Menschen!

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