Category: Rezension

Standing Ovations für Marilyn

Von Ingrid, 19. Oktober 2009 21:41
cs_16_10_2009_6284“Ich glaube, die Ärzte könnten hier etwas lernen – aber sie interessieren sich nur für das, was in ihren Büchern steht. Vielleicht könnten sie von einem Menschen, der am Leben leidet, mehr erfahren – na ja, die Menschen wollen zum Mond fliegen, scheinen aber am Schlagen des menschlichen Herzens nicht interessiert zu sein.”
- Marilyn Monroe -

Sexsymbol, Stilikone und eine der ganz großen Diven Hollywoods: Marilyn Monroe hat das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt. Hinter der Fassade der alles überstrahlenden femme fatale aber steckte eine zutiefst zerrissene Frau. Peter Breuer hat mit seinem Ballett “Marilyn” (Foto: Christian Schneider) einer Kultfigur ein Denkmal gesetzt. Ohne Kitsch, ohne falsche Anbiederung erzählt er in einer fulminanten und sehr rockigen Tanzvorstellung auf höchstem Niveau die Geschichte einer Frau, die bis zum Ende mit und gegen sich selbst kämpfte. Meine ausführliche Kritik unter www.dorfzeitung.com

Die seltsame Welt der Kulturjournalisten

Von Ingrid, 22. September 2009 16:19

Wer schon einmal in einem “vornehmen” Theater Kulturluft geschnuppert hat, wird wissen, wovon ich spreche: Ältere, gut situierte Herrschaften sitzen in Abendgarderobe in ihren Logen/auf ihren Sitzen/stehen mit einem Gläschen Prosecco an der Bar. Wichtig werden diese Menschen vor allem durch die Tatsache, dass jeder über jeden tuschelt, verstohlene Blicke auf besonders gewagte Abendkleider geworfen werden, sich die Highsociety des Opernabend vornehm zunickt bzw. sich zurückhaltend grüßt.

Bei Premieren verstärken sich all diese Phänomene. Nur wer wichtig/einflussreich/gebildet/intelligent/reich ist, erhält Einlass in die heiligen Hallen. Die gesalzenen Preise, die weniger wohlhabende Menschen über einen Premierenbesuch zweimal nachdenken lassen, tun ihr Übriges.

Dabei stellt man gerade im Theater fest: Schauspielen können nicht nur die Menschen auf der Bühne. Ältere Herren neigen dazu, in seligen Tiefschlaf zu fallen, sobald die Lichter ausgehen. Vornehme, von Kopf bis Fuß zurecht gemachte Damen bohren im Dunkeln ungeniert in ihren Nasenlöchern. Und andere bleiben nach der Pause einfach in der Bar stehen, obwohl die Aufführung mehr als nur akzeptabel ist.

Das Publikum würde Kulturjournalisten oft sicher interessantere Geschichten bieten als die x-te Neuinszenierung eines altbekannten Schauspiels oder einer abgedroschenen Operette. Vielleicht könnte ich aus dieser Idee gar eine neues journalistisches Ressort basteln?
Am Sonntag habe ich mich vorerst mit einer traditionellen Kritik von Mozarts “Hochzeit des Figaro” im Salzburger Landestheater zufrieden gegeben. Doch wer weiß? Die nächste Premiere kommt bestimmt…

Plastic Planet

Von Ingrid, 15. September 2009 20:40

Plastikflaschen (groß, klein, überdimensional), Plastikverschlüsse, Plastiksackerln (so viele, dass man die Erde dreimal darin einpacken könnte), Becher, Besteck, Teller (überhaupt ganze Geschirrsets), Barbiepuppen, normale Puppen, Handyhüllen, Kosmetikbehälter, Haushaltsartikel, Blumentöpfe, Computertastaturen, Kinderrutschen, Kleidungsstücke, Plastikplanen, Verpackungen, Nylonstrümpfe, Babyflaschen, Campingstühle, Badematten, Zeltplanen, Uhrarmbänder, Modeschmuck, Kopfhörer, Haarreifen, Kisten, Körbe…

“Plastik ist schön. Plastik ist praktisch. Plastik ist praktisch überall.” Mit diesen Worten beginnt der Trailer zum neuen Film von Werner Boote. Plastic Planet feiert heute Premiere und falls der Film hält, was der Trailer verspricht (”Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie mehr aus einer Plastikflasche trinken”), dürfte sich das alltägliche Leben der Österreicherinnen und Österreicher durch dieses Kinoerlebnis ganz schön verändern.
Laut Boote gibt es im Meer bereits sechsmal mehr Plastik als Plankton, im Boden hält sich Plastik 500 Jahre lang. Die Menge an Plastik (oder genauer gesagt: Bisphenol A), die der Mensch in seinen Körper aufnimmt (indem er Plastik trinkt, isst und durch die Haut aufnimmt), würde ausreichen, um die Spermienproduktion eines Stieres um 40 Prozent zu verringern.

Wer sozialkritische Filme mag und bei Let’s Make Money, We feed the World und Michael-Moore-Dokus fast aus dem Kinosessel gefallen ist, sollte sich Plastic Planet auf jeden Fall anschauen. Mehr Infos über das Leben auf dem Plastic Planet im nächsten Alternative-Kino!

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