Moschee Baba – Eine Abrechnung

Bekanntermaßen gibt es seit einigen Jahren neben der realen Welt auch eine virtuelle Parallelwelt. Und ganz genau wie im “realen” Alltag tummeln sich im world wide web Kreative, Verrückte, Neugierige, Fanaten, Philosophen, Prediger, Visionäre und Naive.
Einen Einblick ins virtuelle Treiben bestimmter Gruppierungen, in menschenverachtende Dummheit und in grenzenlose Gleichgültigkeit möchte ich hier aus aktuellem Anlass geben. Mir ist durchaus bewusst, dass Aufmerksamkeit häufig erst geschaffen wird. Außerdem ist Aufmerksamkeit begrenzt - man sollte sich also sehr genau überlegen, wem man seine Aufmerksamkeit schenkt bzw. welche Themen wichtig genug sind, um sich mit ihnen zu beschäftigen.
In einem sehr interessanten Seminar, das ich während meines Studiums besucht habe, wurde darüber diskutiert, wie Aufmerksamkeit einzustufen sei. Fazit: Aufmerksamkeit ist im Medien- und Informationszeitalter einer der wichtigsten gesellschaftliche Werte. Tagtäglich werde um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt, von PolitikerInnen, KünstlerInnen, Konsumgüterkonzernen. Die Medien helfen dabei nach Kräften mit: Nachrichten, Werbung, Reportagen vermitteln uns, was gerade wichtig und “in” ist.
Dass Skandale leichter Aufmerksamkeit erregen als Gleichbleibendes, ist einleuchtend. Wer kann sich schon daran erinnern, wie dieser ewig verheiratete Fußballer heißt? Da bleiben Tiger Woods, Oliver Kahn und Boris Becker besser im Gedächtnis. Und wie war noch mal der Spruch auf den Wahlplakaten der SPÖ vor 4 Jahren? Keine Ahnung? “Mehr Mut für unser Wiener Blut. Zuviel Fremdes tut niemandem gut.” – so ein Slogan bleibt im Gedächtnis, und die FPÖ hat einmal mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit der ganzen Nation.
Doch genug vom Vorspann. Was ich eigentlich sagen wollte: Ich habe lange überlegt, ob ich in meinem Blog über diesen Aufreger berichten soll. Immerhin möchte ich der neuen Aktion der Freiheitlichen Partei nicht noch mehr Aufmerksamkeit bescheren als sie ohnehin bekommt (heute mittag hatte die Seite ca. 40.000 Besucher, gut 8 Stunden später – sicher auch dank exzessiver Medienberichte – über 90.000). Aber manchmal ist es halt einfach leichter, Stellung zu beziehen, als stumm zu bleiben.
Bevor ich einige Fragen aufwerfe, die mir seit den heutigen Morgennachrichten um halb 8 im Kopf herum geistern, kurz zum Hintergrund. Die FPÖ Steiermark hat sich als Wahlwerbung etwas ganz besonderes einfallen lassen. Das Computerspiel “Moschee Baba” funktioniert ähnlich wie der Spiele-Klassiker “Moorhuhn” – nur werden statt der Tiere Moscheen “abgeschossen”. Doch keine Angst, ganz so drastisch sei es nicht, betont der Landesgeschäftsführer der FPÖ, Georg Mayer, laut der Wiener Zeitung. Immerhin würden die aus dem Boden sprießenden Minarette nur mit Stoppschildern gestoppt. Der Ton erinnert trotzdem stark an Zielschießen – ich gebe es zu, ich habe es einfach probieren müssen. Abgebrochen habe ich das Spiel erst, als im “gesteigerten Schwierigkeitsgrad” auch noch bärtige Männer gestoppt werden sollten.
Eigentlich wollte ich meinen Ärger selbst in Worte fassen, aber besser als FM4-Autor Albert Farkas kann ich das wohl kaum.
Zum Schluss noch einmal zurück zur Aufmerksamkeit: Die wird laut Wikipedia häufig auch im Rahmen eines Ablenkungsmanövers erregt. Diese Taktik machen sich unter anderem Zauberkünstler, Kriegsherren und Taschendiebe zu Nutze. Oder eben die FPÖ – vielleicht um davon abzulenken, dass diese Partei einfach unwählbar ist und aus einem Haufen menschenverachtender Ignoranten besteht.


