Category: Umwelt

Das Leben und Ich…

Von Ingrid, 21. Mai 2010 12:48

Was gibt’s Neues? Eigentlich nicht genug, um darüber einen Blogeintrag zu schreiben.

Trotzdem – nachdem die letzten Artikel eher sehr bildlastig waren, hier ein paar Gedanken von meiner Seite. Es ist nicht ganz so leicht, Sonne im Herzen zu tragen, wenn’s draußen regnet und stürmt. Die morgendliche Fahrt zur Arbeit ist ein Hochleistungsakt zwischen Nebellicht aktivieren / deaktivieren, Scheibenwischer auf langsam / schnell / sehr schnell schalten, einen Radiosender finden, der trotz heftigem Regen störungsfrei sendet, und die Heizung auf 22 – 26° drehen.

Im Büro versuche ich, meinen Vitamin D-Bedarf mit künstlichem Licht zu stillen – ein bisschen Sonne wäre hier eindeutig die bessere Medizin. Und auch auf’s Gemüt wirken sich die grau-grauer-am grausigsten Maitage aus:  “November”melancholie statt Maifreuden, heiße Schokolade im Kaffeehaus statt kühler Radler am Salzachufer. Die rettende Idee: Warum nicht das verlängerte Pfingstwochenende in Südtirol verbringen?

Deshalb geht’s heute noch ab in den Süden. Und um das klar zu stellen: Auf dem Brenner kann es meinetwegen stürmen und schneien, aber im Überetsch erwarte ich Sonnenschein, knallblauen Himmel und meinetwegen auch die ersten Zanzare (für deutsche Leser ohne südtirolerisch-italienischem Hintergrund: Moskitos, Mücken, Gelsen. Übrigens ein Wort, das meines Erachtens nach in jede Sprache aufgenommen gehört. “Zzzzanzzzzara”, das klingt doch förmlich nach diesen Insekten, die das Einschlafen unmöglich machen, wenn sie wie kleine Helikopter im Schlafzimmer herumschwirren).

Um nochmal zurück auf’s Wetter zu kommen: Bei all dem Gejammere über die aktuelle Kalt- und Störungsfront wurde beim wöchentlichen Chor-Stammtisch (eine gemütliche Runde, die nach der gemeinsamen Chorprobe auf einen Zweigelt / Radler / Tee / naturtrüben Apfelsaft geht und enthusiastisch dies und jenes diskutiert) die These aufgestellt, der Vulkan sei schuld. Immerhin sei es in den vergangenen Jahrtausenden nach solchen Ereignissen immer wieder zu klimatischen Veränderungen gekommen, betonte unsere Geografin. Die sog. “Zwischen-Eiszeit” von 1400-1900 sei ein gutes Beispiel dafür (solche Dinge lernt man eben auch im Kaffeehaus). Mein Argument, dass der Vulkan niemals so viel Zerstörung angerichtet habe wie die Flugzeuge das hätten, wären sie alle geflogen, wird vom Kellner mit einem Lächeln quittiert. Als er dann später den Zweigelt bringt, meint er verlegen: “Entschuldigen Sie, darf ich fragen, woher Sie kommen. Sie haben so einen lustigen Akzent.” Lautes Gelächter – vor allem deshalb, weil der Kellner ganz eindeutig “Österreicher mit Migrationshintergrund” ist und tiefstes Türken-Deutsch spricht. Jedenfalls: Auch so wird man daran erinnert, dass man sich eigentlich im “Ausland” befindet…

Das war’s auch wieder für heute – hoffentlich folgt bald ein (mit vielen bunten Fotos, auf denen blauer Himmel, Sonne, Seen, Blumen zu sehen sind, bebilderter) Bericht über meinen “Heimat-Urlaub”!

Sommer schnuppern

Von Ingrid, 19. April 2010 22:47

Durch hellbraunen Sandstrand stapfen, Vögel beim Zwitschern beobachten und einer kleine Eidechse zuschauen, die sich neben uns in der Sonne aalt – ein wunderschönes Wochenende liegt hinter uns. Beinahe sommerlich-ferienhaft hat es sich angefühlt, am bayrischen Chiemsee spazieren zu gehen. Schilf, Sand und Muscheln erinnern stark an Sommer, Sonne und Süden.

boot

Der kleine Überseer Hafen samt Bootswerft und Strandkneipe schaut eigentlich genau so aus, wie ich mir Ost- oder Nordsee-Orte vorstelle. Gemütlich sitzen ältere Männer zusammen, trinken Bier und beobachten die jüngeren Generationen beim Netze und Boote flicken, Planken streichen und Deck schrubben. Laut kreischen die Möwen, bevor sie sich wie Kamikaze-Flieger ins Meer stürzen, um dann doch wieder wohlbehalten in den Himmel zu fliegen. Im Strandcafé liegen auf Liegestühlen Liebespaare, die genüsslich einen Latte Macchiato oder einen Prosecco schlürfen.

Hafen

Wir verabschieden uns nach einem gemütlichen Häferlkaffee vom Trubel und machen uns auf den Weg, das Naturschutzgebiet rund um die Mündung der Tiroler Ache in den See zu erkunden. Hier wimmelt es nur so von Tieren, die sonst in unseren Breiten gar nicht so oft gesichtet werden. Dutzende Kleiber laufen an den dicken Stämmen jahrhunderte-alter Bäume auf und ab. Es ist recht lustig, den Tieren beim Nach-Unten-Laufen zuzuschauen. Die vielen Schmetterlinge sind bunt und wunderschön anzuschauen, und erinnern mich wieder einmal daran, warum sie meine Lieblingstiere sind. In der klaren warmen Luft von einer Blüte zur nächsten flattern, unbeschwert und fröhlich mit anderen Schmetterlingen in der Luft tanzen… Was für ein Leben!

schmetterling

Eine wunderschön gemusterte Zauneidechse sonnt sich mitten auf dem Weg und reckt uns neugierig ihr grünes Köpfchen entgegen. Im See plantschen währenddessen zwei Haubentaucher. Unglaublich, wie lange sie es schaffen, unter Wasser zu bleiben. Und das spannendste: Wir beobachten zwei ausgewachsene Ringelnattern beim Liebe-Machen. Mir hat die Begegnung mit einer echten, meterlangen Python im australischen Dschungel ganz eindeutig geholfen, meine Schlangenphobie zu bekämpfen. Interessiert beobachte ich die zwei Ringelnattern, bis sie sich irgendwann gestört fühlen und die größere die Flucht ergreift (und die ist ein ganz schöner Brocken, der sich überraschend schnell bewegt). Ganz geheuer sind mir die Viecher doch nicht, wenn sie sich so schnell und lautlos bewegen.

Echse

Ein langer Tag am Chiemsee eignet sich jedenfalls ganz wunderbar, abzuschalten und Kraft zu tanken. Es wird bestimmt nicht bei diesem einen Besuch bleiben!

strand

“Coole” Schlagzeilen sind einfach “hot”

Von Ingrid, 10. Januar 2010 10:38

“Tief Daisy sorgt für Chaos in Europa”, “Winterwetter: Schneereiches Tief Daisy zieht nach Norden”, “Schneefälle: Tief Daisy lähmt den Süden”: Extremes Wetter ist beliebt bei den Medien. Dabei sind Geschichten übers Wetter wohl oder übel immer gleich aufgebaut. Schneestürme und Kältewellen legen Flüge lahm, sorgen für Chaos auf den Straßen und zugeschneite Schienen. Menschen verletzen sich beim Schnee-Schaufeln, im schlimmsten Fall fordert der “Ausnahme-Zustand” Menschenleben. Hitzeperioden und Höchsttemperaturen setzen Hunderte Hektar Wald in Brand, Gleise verbiegen sich in der Hitze, Dürreperioden sorgen für Ernteausfälle. Menschen erleiden einen Hitzschlag oder Sonnenstich, im schlimmsten Fall fordert der “Ausnahme-Zustand” Menschenleben.

Wetter ist also wahrlich ein “heißes” Thema, und oft “cool” genug, um es auf die Titelseite oder in die Nachrichtensendungen zu schaffen (oder wie böse Zungen behaupten: ein Lückenfüller, falls es sonst nix gibt. Aber ist diese Theorie haltbar? Immerhin verhungern rund 9 Millionen Menschen jährlich. Im Südsudan droht der Bürgerkrieg wieder aufzuflammen, 2500 Menschen sollen 2009 dort getötet worden sein. Der Thunfisch ist massiv überfischt, eine komplette Ausrottung steht kurz bevor. Das sind nur drei Themen, die viel interessanter sind als das aktuelle Wetter. Obwohl – Daisy ist uns halt doch näher als Artensterben, soziale Probleme und Bevölkerungsexplosion “irgendwo in Indien”.)

Und weil Wetter so “cool” ist, darf es ruhig auch mal für eine Schlagzeile in meinem Blog sorgen. Bin bisher (*dreimal auf Holz klopf*) unfallfrei über die vereisten Straßen geschlittert, VW Polo und Steißbein sind noch ganz, die Fenster unserer Wohnung sind trotz klirrender Kälte noch nicht gesprungen, über Frostbeulen kann ich mich auch nicht beklagen.

Deshalb hier – nicht ganz so spektakulär wie in der “Bild” – meine Eindrücke von Daisy (…oder ist’s doch nur Winter?)

Schnee-Scheibe

Kristalle_sepia

Kristalle

Schneeball

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