Category: Reisereportage

27 Tage danach

Von , 10. September 2012 23:06

Ich hatte mir fest vorgenommen, eine Art “Abschlussbericht” über unseren Urlaub in Norwegen zu schreiben. Aber dann war da – der Alltag. Hunderte ungelesene Emails in der Arbeit, Wochenenden auf dem Berg oder bei Familienfeiern und Abende vor dem Fernseher. Gestern hab ich mir dann endlich die Zeit genommen, und unseren Norwegen-Film geschnitten.

Zurückgelegt haben wir 4.652,7 Kilometer, die reine Fahrzeit: 65 Stunden und 3 Minuten. Klingt nach viel anstrengendem Herumkurven, ist in einem Camper aber gar nicht so schlimm – weil man immer dort hinfährt, wo es am schönsten ist. Man hat sein “Haus” dabei, gekocht und gegessen wird in der Sonne, an einem See, oder auf einer Wiese.

Vor und auch nach dem Urlaub war eine häufige Reaktion auf mein Reiseziel: “Warum??” Immerhin sei es ja ein Sommerurlaub, und den müsse man in der Sonne, am weißen Sandstrand liegend verbringen. Ja genau, und schwitzend, von Moskitos zerstochen, in der Nacht wegen der Hitze unruhig hin- und herwälzend…
Hier noch mal schriftlich die Antwort auf’s Warum: Weil unser Planet so viel Schönes zu bieten hat. Und ich maximal 90 Jahre Zeit habe, das alles zu erleben, zu erkunden, zu bestaunen.
Jeden Sommer auf der gleichen Insel zu verbringen mag seine Vorteile haben. Man kann sich gleich direkt in den Sand pflanzen und schlafen und entspannen, weil es nicht mehr viel Neues zu entdecken gibt.
Aber die wenigen Wochen im Jahr, die ich reisend verbringe möchte ich füllen: Mit Entdecken, mit Kennenlernen von Neuem, mit Reisen (nicht mit Urlauben!).

Norwegen ist eine Reise jedenfalls wert, und es sind vor allem die “kleinen” Dinge, die hier im Norden ins Auge stechen:
Es gibt unglaublich viele junge Familien. Und gleich viele junge Väter wie Mütter, die zur besten Bürozeit stolz den Kinderwagen vor sich herschieben.
Die Felsen der Fjorde fallen geradewegs ab ins Meer. Und doch finden die Fähren überall ein Plätzchen zum Anlegen.
Sobald in Norwegen die Kirschen reif sind, dürfen keine ausländischen Kirschen mehr importiert werden. Südtiroler Marlene Äpfel gibt es aber in jedem Supermarkt.
Bier kostet in Norwegen dreimal so viel wie in Salzburg. Das hält die jungen Pubbesucherinnen und -besucher aber nicht davon ab, mindestens gleich viel zu trinken wie ihre Altersgenossen in südlicheren Gefilden.
“Hei” und “Hade”. In Norwegen grüßt einen fast jeder. Bei so viel Gastfreundschaft fällt es nicht schwer, sich wohlzufühlen.

Eine typisch norwegische Familie. Jung, viele Kinder, ganz lässig und entspannt. Und blond.

Elche sind Riesen-Viecher. Wirken wegen ihrer langen, schmalen Beine aber trotzdem irgendwie zerbrechlich.

Sehr beeindruckend. Das Nobelinstitut (Nobel Peace Center), das beste Museum der Welt.

Ich. Begeisterungs-Räder-schlagend vor der Osloer Oper.

Von Bergen nach Eidfjord

Von , 8. August 2012 11:58

Vorbemerkung: Dieser Eintrag ist bereits 2 Tage alt, konnte aber bislang nicht gepostet weil wir leider keinen Internetzugang hatten. Inzwischen sind wir in Oslo angekommen, haben auf der Anreise drei Braunbärenjungen spielen sehen, die Schulterhöhe eines Elchs bewundert (2 Meter, 700 Kg) und für ein McDonalds-Menü 10 € bezahlt. Näheres dann in Kürze, jetzt müssen wir raus den wunderschönen Tag genießen!

Norwegen hat viel Natur zu bieten, aber eben nicht nur. Gestern sind wir durch Bergen spaziert. Die zweitgrößte Stadt Norwegens ist als die Regenhauptstadt Norwegens bekannt, wir hatten allerdings Glück und haben Sonnenschein genossen. Der Fischmarkt gilt als Attraktion der 255.000-Einwohner-Stadt. Und es ist wirklich interessant, an den Ständen vorbeizuschlendern. Nicht so sehr wegen der Fische und der horrenden Preise, sondern weil man in einer Tour auf Spanisch oder Italienisch von den Verkäufern und Verkäuferinnen angesprochen wird. Anscheinend sind viele Südeuropäer “auf Saison” in Bergen. Den Fischmarkt darf man sich deswegen nicht vorstellen wie etwa den in Hamburg, sondern viel eher wie einen Wochenmarkt in Apulien oder Katalonien. Brygge hingegen, die Speicherstadt am Hafen, die von den deutschen Kaufleuten gebaut wurde, ist so richtig typisch. In den engen Gassen zwischen den Holzhäusern werden Norwegerpullis und Trolle in rauhen Massen angeboten. Bunt leuchten die Fassaden in der Sonne, und die spitzen Holzdächer bilden einen schönen Kontrast zum blauen Himmel. Das schöne Wetter nutzen wir für einen Spaziergang auf den Fløyen und schauen bewundern den Bergerinnen und Bergern nach, die die Höhenmeter voller Elan joggend bewältigen. Der Aufstieg lohnt sich, der Blick über die Stadt ist schön.
Heute dann wieder Natur. Der Vøringfoss ist mit 182 Metern Höhe der höchste Wasserfall Norwegens, und damit sich den Touristen auch immer ein überwältigendes Panorama bietet, hat sich die Regierung verpflichtet, immer 12 Kubikmeter/Sekunde fließen zu lassen (obwohl ein Großteil des Wassers für die Energieerzeugung im nahe gelegenen Kraftwerk abgezweigt wird). Als Basisstation für unseren Ausflug dorthin haben wir einen richtig schönen Campingplatz am Eidfjordsee gefunden (auf dem Michi und Uli im strömenden Regen eine Kanutour gemacht haben).
Morgen geht es weiter nach Flå, einer Kleinstadt, die laut Campingplatz-Angestellten richtig schön ist und über einen super Campingplatz sowie einen Tierpark und einen McDonalds verfügt. Flå ist der letzte Zwischenstopp, bevor wir dann schließlich nach Oslo kommen, der letzten Station in Norwegen.

Trolle sind in Norwegen allgegenwärtig, meistens schauen sie recht freundlich drein!

Wie gesagt, Trolle verstecken sich hier überall… ;-)

 

Neben bekannten Straßenzügen – im Bild Brygge -, bietet Bergen auch…

…versteckte Gässchen und außergewöhnliche Straßenschilder.

Der Fischmarkt gehört zu den Hauptattraktionen Bergens, die Verkäuferinnen und Verkäufer sind allerdings fast alle aus Spanien oder Italien.

Dementsprechend erfolgt das Anpreisen der Waren auch auf Italienisch oder Spanisch.

Am Abend finden wir einen wunderschönen Campingplatz am Eidjord.

Von hier aus unternehmen wir eine spektakuläre Wanderung zum höchsten Wasserfall Norwegens, dem Vøringfoss.

Der Weg dorthin lohnt sich!

Fels-Exkursionen

Von , 4. August 2012 09:03

Gestern und heute haben wir den Lysefjord östlich von Stavanger aus allen Perspektiven bewundert. Zwei Wanderungen hoch über dem Meer haben atemberaubende Weitblicke geboten. Aber auch von der Fähre aus ist die Landschaft phänomenal. Die Fotos sprechen wahrlich für sich.  wir Außerdem können wir jetzt bestätigen, dass zwei der Hauptattraktionen Südnorwegens es wahrlich in sich haben.

Der Preikestolen ist ein Felsplateau, das – wie wir auf der Fähre gelernt haben – “laut Experten mit ziemlicher Sicherheit nicht abbrechen wird”. Das ist beruhigend, wenn man am Rand der Kanzel sitzt und hunderte Meter in die Tiefe schaut. Noch beeindruckender als der Preikestolen selbst sind die Ausblicke in den Lysefjord. Die dreistündige Wanderung genießen wir sehr, auch wenn man (oder vielleicht gerade weil man) allmählich in Trance gerät, wenn man in einer Menschenkolonne einen Berg hinaufpilgert.

Der Kjeragbolten am Ende des Fjords ist der meistfotografierte Stein Norwegens. Eingeklemmt zwischen zwei Felswänden bietet er die ideale Kulisse für Urlaubsbilder. Das Besondere daran: Unter dem 5 Kubikmeter großen Stein geht es hunderte Meter in die Tiefe. Ungebremst. Und nein: Die Fotos schauen nicht spektakulärer aus als es die Wirklichkeit ist. Ein ganz schmales Felsband führt zu dem runden Felsen. Wer abrutscht, ist weg (auch wenn uns der Kioskbesitzer im Tal versichert hat, dass noch nie jemand abgestürzt ist. Wir sind uns ganz sicher, dass die Todesrate vom Kjeragbolten eines der best gehüteten Geheimnisse Norwegens ist.) Deshalb überlegen wir auch lange, ob wir unser Leben wirklich für ein Foto auf’s Spiel setzen sollen. Beschließen dann, dass sich das nicht lohnt. Genießen eine gute Jause. Und überwinden uns schließlich doch. Was bleibt? Knie weich wie Wackelpudding, und ein fettes Grinsen im Gesicht, wenn man wieder festen Boden unter den Füßen hat. Und ziemlich coole Fotos. Die fünfstündige Wanderung selbst ist ein Traum. Über graues geschliffenes Gletschergestein wandern wir hinauf und hinunter, große und kleine Steine liegen in der Gegend herum als ob ein Riese ein seltsames Ballspiel gespielt hätte. Es ist surreal und wunderschön. Wieder zurück am Parkplatz überlegen wir kurz: Sollen wir die gesamte Anfahrt zurückfahren (3 Stunden), oder 670 Höhenmeter über eine schmale Serpentinenstraße überwinden (“Is it possible to do this street with a Campervan?” “Well, how good are you with driving?”), und von Lysebotn aus mit der Fähre zurücktuckern über den Lysefjord zum Ausgangspunkt? Weil Michi seine Fähigkeiten als Wohnmobilfahrer schon mehrfach unter Beweis gestellt hat, entscheiden wir uns für die zweite Alternative. Und beglückwünschen uns in den kommenden Stunden immer wieder zu dieser Entscheidung. Am Ende des Lysefjords lassen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Michi und Uli testen die Wassertemperatur und springen ins Wasser, das an dieser Stelle bis zu 500 (?!) Meter tief sein soll. Auf der Fähre genießen wir spektakuläre Blicke auf den Fjord und die hoch aufragenden Felsen, zittern noch einmal beim Anblick des hoch oben sichtbaren Kjeragbolten und sehen sogar sieben Seelöwen. Das ist Norwegen!

Die Wanderung auf den Preikestolen lohnt sich – auch wenn wir uns nur auf allen Vieren zum Rand der Felskanzel wagen (Suchbild: Wo ist Ingrid?)

40 Kilometer lang ist der Lysefjord. Hoch oben über dem Wasser weht ein ziemlich frischer Wind.

Der Kjeragbolten ist der berühmteste Stein Norwegens. Und die Überwindung wirklich groß. Aber was tut man nicht alles für ein gutes Foto?

Aber auch andere Perspektiven veranschaulichen, wie beeindruckend sich der Fjord an dieser Stelle seinen Weg in den Felsen gegraben hat.

Alles eine Frage der Überwindung…

In Lysebotn am Fjordende angekommen testen Michi und Uli die Wassertemperatur. Frrrisch!

Ganz entspannt beobachten die Seelöwen am Rande des Fjords die vorbeituckernde Fähre. Da ist die Aufregung auf Seite der Touristen schon deutlich größer.

 

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