Japanische Geschichten
Bin gestern Abend in Tokio gelandet, und hab mich wieder einmal über einige Klischees gefreut. Die japanische Hauptstadt ist riesig, bunt (sogar die Verkehrsschilder blinken blau und rot) und einfach anders. Anders deshalb, weil man sich hier in eine wirklich andere Welt versetzt fühlt. Erstens kann man weder Verkehrsschilder noch sonstige Hinweise entziffern. Und zweitens ist die Sprache dermaßen fremd, dass man nicht einmal den Inhalt eines Gesprächs entschlüsseln kann, ja man kann aus dem Tonfall noch nicht mal schließen, ob die Person mit dem Ehemann, der Chefin oder einem offiziellen Amt telefoniert. Und das seltsamste: Gespräche gehen scheinbar abrupt zu Ende, weil eine Verabschiedung sich für eine fremdsprachige Person nicht im Entferntesten abzeichnet.
Nun denn, ich habe angenommen, vorbereitet zu sein. Irrtum. Eine Freundin hatte mich im Vorfeld vor den japanischen Toiletten und ihren Raffinessen gewarnt. Zu jeder Toilette gibt es nämlich einen kleinen Kasten mit bunten Knöpfen. Wahlweise kann man die Temperatur der Klobrille regeln, Geräusche einschalten (damit Menschen vor der Toilette die Geräusche nicht hören, die während des Verrichtens eines Geschäftes zwangsweise entstehen) oder den Klodeckel automatisch öffnen/schließen. Dazu gibt es auch Knöpfe, mit deren Funktion ausländische Touristen nicht so gerne Bekanntschaft machen. Das sind die Wasserstrahlen, die auf verschiedenste Bereiche des Intimbereiches gerichtet werden (einige haben Massagefunktion, man kann die Stärke des Wasserstrahls regulieren, und auch die Streuung). Es gibt zahlreiche Horrorgeschichten von Ausländern, die auf der Suche nach der Klospülung im Restaurant verschiedenste Knöpfe gedrückt haben, und dabei einen Wasserstrahl direkt ins Gesicht abbekommen haben.
Ich lache mir ins Fäustchen, immerhin gehöre ich zu den Eingeweihten und weiß: hier ist Vorsicht geboten. Nun denn, eine Stunde nach meiner Ankunft im Hotel und nach Abschluss des ersten Geschäfts, das ich in Japan zu erledigen habe, suche ich noch immer vergebens nach dem Knopf/Hebel/Automatismus für die Spülung. Erfolglos. Neben dem Klo steht ein Kübel. Ich kann nicht glauben, dass die japanischen Hightech-Toiletten eine manuelle Spülung haben (sprich: Kübel mit Wasser aus Wasserhahn füllen, mit Schwung in die Klomuschel leeren). Verzweifelt versuche ich es irgendwann kurz vorm Schlafengehen doch. Und siehe da, es funktioniert. Alles ist wie weggeschwemmt. Bei meinem nächtlichen Gang zur Toilette: der manuelle Ansatz funktioniert nicht mehr. Das Wasser fließt nicht ab, gefährlich nahe steht es schon am Rand der Klobrille. Am Morgen dann der nächste Versuch und endlich: Ich finde den unscheinbaren, verchromten Hebel für die Spülung, der irgendwo unterm Waschbecken angebracht ist. Soviel zur ausreichenden Vorbereitung.

Eine Toiletten-Fernbedienung. Relativ übersichtlich, weil die englische Übersetzung vorhanden ist. Und die Illustrationen sind auch eindeutig.

Blick vom Hotelzimmer. Der beleuchtete Eiffelturm links hinten ist der Tokyo Tower, die berühmteste Aussichtsplattform der japanischen Hauptstadt.

Auf der Suche nach Mittagessen in einer der zahlreichen Straßen mit zig Imbissläden. Schlussendlich gibt es Sobe-Nudeln, und die Japaner versprechen mir, dass ich dank dem Genuss derselben sicher länger leben werde.

Rauchen verboten, wenigstens auf der Straße. Im Restaurant ist es erlaubt. Aber vielleicht bedeutet das Zeichen auch nur, dass keine Kippen weggeworfen werden dürfen (das würde erklären, warum es hier tragbare Aschenbecher gibt).
















